Es mag für einen außenstehenden Betrachter wie eine Spielerei auf dem Papier aussehen. Doch es gibt einige Gründe, weshalb man unserer außersinnlichen Wahrnehmungsfähigkeit mit Respekt begegnen sollte.
Nein, Remote Viewing ist kein Spielzeug. Und ich gebe zu, dass auch ich zu Beginn meiner RV-Reise den Gedanken hatte: „Was soll da schon groß passieren? Es ist doch nur eine Spielerei auf dem Papier!“ Was mir damals noch nicht so richtig bewusst war: Remote Viewing passiert nicht auf dem Papier, sondern im Bewusstsein. Das, was wir während einer Session aufs Papier schreiben – oder die Werkzeuge, die wir dort aufzeichnen und anwenden – dient lediglich der Protokollierung unserer Wahrnehmungen sowie der kontrollierten und gezielten Abfrage von Informationen. Das eigentlich Relevante geschieht im Kopf. Und damit wird klar, dass die Frage, ob es sich um ein „Spielzeug“ handelt, bedeutender ist, als man zunächst annehmen würde.
Um das vorweg zu sagen: Man muss keine Angst vor Remote Viewing haben. Aber Respekt ist angebracht. Doch was kann eigentlich schiefgehen? Zum einen kann sich ein Target körperlich beim Viewer bemerkbar machen. Das kann recht harmlos sein, etwa wenn ein Viewer Schwindel verspürt, weil sich das Target in großer Höhe befindet. Die Auswirkungen auf den Körper können so vielfältig sein wie die Targets selbst, und sie treten auch keineswegs regelmäßig auf. In sehr seltenen Extremfällen können sie jedoch deutlich stärker und sehr unangenehm werden.
Zudem ist es möglich, dass sich körperliche Merkmale oder Empfindungen von Personen im Target auf den Viewer übertragen. Lyn Buchanan berichtete beispielsweise davon, dass sich während einer Remote-Viewing-Session seine Augenfarbe änderte und sich der der Zielperson anglich. In einem anderen Fall zog er sich während einer Session sogar einen Rippenbruch zu, weil es im Target eine Gewalteinwirkung gab. Mit solch extremen Auswirkungen muss man als Viewer definitiv nicht rechnen. Die Beispiele zeigen jedoch, was prinzipiell möglich sein kann.
Von deutlich größerer Bedeutung für den Viewer ist allerdings die Möglichkeit, während der Session in den Strudel einer Fremdpsyche im Target hineinzurutschen. Normalerweise sind wir als Remote Viewer passive Beobachter. Was wir definitiv nicht wollen, ist ein Teil des Targets zu werden und mit ihm zu interagieren – das überlassen wir dem Remote Influencing. Und um das sicher durchführen zu können, braucht es viel Erfahrung. Allerdings sind wir soziale Wesen. Menschen und Tiere wirken im Target daher wie ein Aufmerksamkeitsmagnet. Es kann passieren, dass wir bei der intensiven Wahrnehmung einer Fremdpsyche in sie hineingezogen werden – wie in einen Strudel. Das kann sehr schnell geschehen. Plötzlich nehmen wir Aspekte dieser Fremdpsyche in uns auf, die nicht zu uns gehören.
Der Viewer fühlt dann, was das Lebewesen im Target fühlt – körperlich wie emotional. Er übernimmt möglicherweise dessen Ansichten oder entwickelt ein persönliches Schuld- oder Verantwortungsgefühl für dieses Lebewesen. Die Grenze zwischen „mir als Viewer“ und „dem Lebewesen im Target“ beginnt mehr und mehr zu verschwimmen.
Und das kann die Psyche des Viewers nachhaltig verändern und ihm obendrein traumatische Erlebnisse bescheren. Man stelle sich einmal vor, das Target wäre ein Gewaltverbrechen und der Viewer rutscht in die Psyche des Opfers. Wollen wir uns als Viewer wirklich die Verzweiflung und Todesangst des Opfers zu eigen machen? Oder was passiert, wenn der Viewer stattdessen in die Fremdpsyche des Täters gerät und plötzlich dessen Überzeugung übernimmt, dass die Tat gerechtfertigt sei?
Selbstverständlich lehren wir unsere Schüler Sicherheitsmechanismen, um ein Abgleiten in Fremdpsychen zu verhindern. Ebenso vermitteln wir, wie man sich wieder von einer Fremdpsyche lösen kann, sollte es tatsächlich zu einem Verschwimmen der Grenzen zwischen „Ich“ und „Du“ gekommen sein.
Dennoch kann ein solcher mentaler Strudel grundsätzlich in jeder Art von Target auftreten – auch in vermeintlich harmlosen. Allerdings bergen emotional stark aufgeladene Targets wie Gewaltverbrechen ein deutlich höheres Risiko.
Das ist übrigens auch der Grund, weshalb wir dringend davon abraten, Targets mit Gewaltbezug zu bearbeiten, bevor man nicht mindestens drei Jahre Erfahrung als Remote Viewer gesammelt und ausreichend Routine im Umgang mit den Sicherheitsmaßnahmen entwickelt hat. Und da wir in unserer Auftragsarbeit selbst Mordfälle, Unfälle und Misshandlungen unterschiedlichster Art viewen mussten, wissen wir sehr genau, wovon wir sprechen.
Aber sind all diese Gefahren letztlich ein Grund, Angst vor Remote Viewing zu haben? Nein. Denn die Erfahrungen, die man mit Remote Viewing machen kann, sind oft schlichtweg phänomenal und verändern das Leben nachhaltig zum Guten.
Doch eine gesunde Portion Respekt und ein klares Bewusstsein dafür, was passieren kann, sind ebenso notwendig wie das Wissen darüber, wie man mit schwierigen Situationen umgeht und wie man sich sicher aus ihnen herausfindet.